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Das Richtige tun, ist einfach

Ich habe das Richtige getan, ich habe mich bei der DKMS registriert, mich typisieren lassen und zwischenzeitlich sogar Stammzellen gespendet.

Warum ich das hier schreibe? Na weil ich für die Registrierung bei der DKMS werben möchte und weil es einfach ist, das Richtige zu tun. Vielleicht auch, um aus Sicht eines Spenders zu schreiben, was mich bewegt hat, mich zu registrieren und was dann geschah.

Meine Beweggründe

Nun bin ich hier auf der Homepage meines Unternehmens, was mich bisher davon abgehalten hat, an dieser Stelle zu viel Privates von mir preis zu geben. Mit der Stammzellspende hat sich vieles bei mir geändert. Wenn ich ehrlich bin, dann verändert sich in mir seit vielen Jahren etwas. Doch um nicht völlig verrückt zu klingen, muss ich etwas mehr von meiner Familie und mir erzählen. Genauer gesagt steht meine Schwiegermutter im Mittelpunkt meiner Registrierung. Als sie 1996 im Alter von 57 Jahren an ihrer Krebserkrankung starb, war mir klar, dass wir den Medizinern und auch allen Blutspender immer noch sehr viel zu verdanken hatten. Denn nur sie hatten es ermöglicht, dass sie trotz ihres inoperablen Brustkrebses noch 7 sehr lebenswerte Jahre gerettet werden konnte. Letzten Endes hat sie den Kampf gegen den Krebs verloren. Doch bis dahin haben die Mediziner im Herdecker Gemeinschaftskrankenaus und die vielen fremden Blutspender, die die immer wieder nötigen Transfusionen ermöglichten, das Unvermeidliche weit hinauszögert.  Als wir von ihrer Krankheit erfuhren und wussten, dass Bluttransfusionen nötig werden, wurde ich Blutspender. Doch das, was ich spenden konnte, hatte ihren Bedarf nicht decken können. Uns allen war klar, dass wir eigentlich jedem fremden Blutspender zu Dank verpflichtet sind.

 

Nur wie dies tun? Diese Frage sollte mich immer wieder beschäftigen und lange Zeit sollte ich keine Antwort darauf erhalten. Im Laufe der Jahre nach dem Tod meiner Schwiegermutter wurde die Frage nach dem Wie leiser. Ich spendete zwar immer noch Blut, aber längst nicht mehr so regelmäßig.

 

Dann kam die Zeit meiner beruflichen „Weiterentwicklung“. Ich arbeitete und arbeitete und arbeitete. Immer auf meinem Job bezogen und damit auch an der perfekten Ausrede seltener Blut zu spenden. Natürlich auch daran die noch immer offene Frage des Wie‘s zu beantworten.

 

2012 dann der nächste Verlust, den ich aushalten musste, ohne helfen zu können. Meine Kollegin und gleichzeitige Seniorfreundin erkrankte 2010 an höchst aggressivem Blasenkrebs. Wenn ich glaubte, nicht helfen zu können, dann dahin gehend, dass ich nichts mit meinen Händen tun konnte. Tatsächlich ist es so, dass ich lange Zeit das Helfen so verstanden habe, etwas zu „machen“ oder zu erledigen. Ebenso als würde man aus einem Karton mit Bauteilen einen Schrank bauen. Meine Freundin Ulla war, so wie sie sagte, für meine Hilfe dankbar. Denn ich war da, wenn es ihr schlecht ging, habe mit ihr geweint, wenn uns nur noch das Weinen blieb und habe meine langen Haare abschneiden lassen, als ihre ausgingen. Anfang 2012 hat sie im Alter von 60 Jahren den Kampf gegen den Krebs verloren.

 

Wieder verloren. Für mich waren es Kämpfe, die ich ohne Waffen gewinnen wollte.

Die Registrierung

Einmal kämpfen mit Waffen, die einem die Möglichkeit geben, zu gewinnen. Blut spendete ich nicht mehr, dafür hatte ich meinen Organspende Ausweis unterschrieben und zusammen mit meinem Mann mein Testament geschrieben. Ich wollte nämlich vorbereitet sein.

So banal es klingen mag, ich hatte noch immer meine Frage ohne Antwort im Hinterkopf als ich auf die Werbung der DKMS gestoßen bin „Stäbchen rein, Spender sein“. Ich kann nicht sagen, wie oft ich die Werbung gesehen habe, bis ich mir die Zeit nahm, mich auf der Homepage der DKMS zu informieren. Ich gehöre zu den Menschen, die sich so viele Informationen wie möglich zusammensammeln, bis sie sich entscheiden, etwas zu tun. Doch wenn ich mich informiert fühle, dann handele ich. Und zwar auf direktem Weg, ohne das Ziel aus den Augen zu verlieren. Im Herbst 2014 habe ich mich registriert. Das war erstaunlicherweise ganz einfach. Viel einfacher als ich erwartet hatte. Kurze Zeit später kam per Post das Registrierungsset – also mein „Stäbchen“. Wieder habe ich alle Informationen gelesen, um bloß nichts falsch zu machen. Das Wattestäbchen mit meinem Wangenabstrich habe ich direkt am nächsten Tag zurück geschickt. Noch immer hatte ich mit der „Welt“ der uneigennützigen Spender eine Rechnung offen, deswegen wollte ich nicht, dass meine Registrierung Kosten verursacht. Klar, dass ich zur Kostendeckung meiner Typisierung die Geldspende an die DKMS zeitgleich veranlasste. Nicht lang, und ich bekam meinen Spenderausweis mit meiner Spendernummer. Ein gutes Gefühl zu wissen, dass mein Schwert für den Kampf gegen den Krebs geschmiedet wird.

Meinen Patienten gibt es

Ja, meinen genetischen Zwilling nenne ich „meinen Patienten“. Heute weiß ich, dass es eine Patientin ist, die 47 Jahre alt ist und in Deutschland lebt.

 

Im Dezember 2014 kam dann die Mitteilung, dass meine Gewebemerkmale zu einem Patienten passen. Es kamen per Post die Unterlagen für die anstehende Blutentnahme. Doch bevor man die auseinander pflückt, sollte man mit der DKMS sprechen. Gleich am nächsten Morgen habe ich bestimmt als Erste angerufen. Meine Koordinatorin war super nett und kompetent. Mir wurde genauestens erklärt, was zu tun ist. Der frühe Vogel fängt den Wurm J. Also Päckchen unter den Arm und direkt ab zu meinem Arzt. Seine Praxis ist in unserer Straße und daher super schnell zu erreichen. Das Team rund um Dr. Krane hat sich zusammen mit mir gefreut, dass ich möglicherweise Stammzellen spenden darf. Genau, man darf. Es fühlt sich an wie ein Privileg, Leben zu retten. Auch für die MTA behielt das Blutabnahmeset genaueste Anweisungen. Zack zack….. und die Röhrchen waren mit meinem Blut gefüllt. Da auch mein Arzt seine Leistungen „spendet“ und nichts in Rechnung stellt, habe ich gern meinen Beitrag in die Kaffeekasse geleistet.  Päckchen wieder unter den Arm und ab in den Laden nach Castrop-Rauxel. Zur Post habe ich es aber vor Ladenöffnung nicht mehr geschafft. Dani, meine gute Seele und Mitarbeiterin in Castrop-Rauxel hatte ich zwischenzeitlich angerufen, um von meinen Erlebnissen zu berichten. Schließlich wollte ich meine Aufregung mit jemandem teilen. Sie hatte an diesem Tag frei und hätte nicht in den Laden kommen müssen. Doch da sie nun wusste, dass meine Blutproben noch auf ihren Postversand warten, kam sie sofort, um mir diesen Postweg abzunehmen. Danke noch einmal dafür. Es ist der 17. Dezember als alles seinen weiteren Lauf nimmt. Mein Blut wurde an zwei verschiedene Stellen verschickt, die unabhängig voneinander die Gewebemerkmale erneut überprüfen und weitere Blutwerte ermitteln. Noch einmal einen Anruf bei meiner Koordinatorin, um mitzuteilen, dass ich alles ordnungsgemäß erledigt habe. Ab jetzt, erklärte sie mir, ist Geduld angesagt. Es kann nämlich bis zu 3 Monaten dauern, bis ich weitere Informationen bekomme. Denn immerhin ist es möglich, dass es meinem Patienten zwischenzeitlich nicht gut genug geht, um eine Stammzellspende zu erhalten. Als ich nicht mehr daran glaubte, bekam ich DEN Anruf. Es ist der 13. März 2015 als der Anruf der CMS Cellex aus Köln kam. Noch einmal wurde mir das weitere Vorgehen erklärt, auch dass ich zur so genannten peripheren Stammzellapherese vorgesehen bin. Also die Blutstammzellspende mittels venöser Zugänge erfolgt. An späterer Stelle werde ich versuchen dieses Verfahren mit meinen Worten zu erklären.

Die Voruntersuchung

Mit dem Anruf wurde die eigentliche Voruntersuchung auf den 09.04. und die dann mögliche Entnahme auf den 23. und 24.04.2015 festgelegt. Klar, dass alles von der CMS Cellex organisiert wird und mir dann auch schriftlich bestätigt. Die Termine einschließlich der Buchung des Hotels für die mögliche Entnahme. Da empfohlen wurde, sich zur Entnahme begleiten zu lassen, ist für meinen Mann und mich gleich ein Doppelzimmer gebucht worden. Alle Kosten, die durch die Spende entstehen, kann man ersetzt bekommen. Die Übernachtungskosten im Hotel muss man nicht einmal auslegen, sondern werden direkt mit der CMS abgerechnet.

Aber warum nun noch eine Voruntersuchung. Ganz einfach, weil der Spender gesund sein muss. Schließlich steht der gesundheitliche Schutz des Spenders zu diesem Zeitpunkt an vorderster Stelle.

Am 09. April ging es dann ab nach Köln. Wie immer, wenn man aus dem Ruhrgebiet kommt, ist die Fahrt nicht staufrei. Um die Strecke von etwas über 100 km zu schaffen benötigt man eben kurz 2 Stunden. Den Informationsmaterialien folgend, ab in die Tiefgarage im Mediapark und in das Gebäude MP6. Im gelben Treppenhaus den Fahrstuhl nutzend, hoch in die 5. Etage. In der Anmeldung wusste man schon, dass ich komme. Es ist bei dem Empfang so, als würde man sich irgendwie kennen. Zumindest geben die Mitarbeiterinnen einem das Gefühl des Willkommenseins. Wieder ist alles ganz einfach und entspannt. Erneut bekommt man alle Informationen über das, was an diesem Tag geschehen wird. Und zwar in einem Gespräch und noch einmal schriftlich. Es wird abgeglichen, welche Unterlagen benötigt werden und ob alle Fragebögen, die man bereits im Vorfeld per Post erhalten hat, auch wieder mitgebracht hat. Klar es ist einiges auszufüllen und auch zu unterschreiben. Schreibkram der halt dazu gehört und nötig ist. Organisation ist groß geschrieben, alles läuft perfekt ab. Bevor es mit dem Informationsfilmen und den Untersuchungen losgeht, hat man die Gelegenheit, sich mit dem bereitgestellten Essen und Trinken zu stärken. Einen frischen Kaffee aus dem tollen Kaffeeautomaten trinken und ab mit dem Behältnis für die Urinprobe zur Toilette. Dann haben wir die Infofilme der CMS gezeigt bekommen. Mit mir waren noch weitere 9 Personen zur Voruntersuchung. Alles Männer. Keine Ahnung, ob Männer häufiger spenden als Frauen, aber so schien es. Ich war wohl an diesem Tag die Quotenfrau. Jetzt ging es zum ersten Teil der eigentlichen Voruntersuchung: Blutabnahme, EKG-Schreibung, Temperatur- und Blutdruckmessung. Auch hier wieder eine ganz nette und kompetente medizinische Mitarbeiterin. Agnes konnte super gut Blut abnehmen und war sehr sympathisch. Sie war es auch, die mir die nötigen Medikamente zur Stammzellmobilisierung gab und auch erklärte wie ich den vorläufigen Spritzenplan richtig verstehe. Danach ging es zur fachärztlichen Untersuchung in das Gebäude 3 in die Klinik. Nach nur kurzer Wartezeit war der ärztliche Leiter bereit, mich zu untersuchen. Er startete mit erneuten Erklärungen und weiteren Fragen zu meiner Anamnese. Schön, dass er mir auch erklärte, dass die späte Darmkrebserkrankung meines Vaters bei meinen künftigen Vorsorgeuntersuchungen mit berücksichtigt werden soll. Zusätzliche Informationen, die ich sonst so nicht erhalten hätte. Er nahm sich die Zeit, meinen Bauchraum per Ultraschall sorgsam zu untersuchen. Ebenso hörte er sehr sorgfältig meine Lunge ab, noch einen Blick in den Mund und schon wusste ich, dass Lunge, Leber, Milz, meine Nieren, die Blase und die Galle in Ordnung sind. Nach seiner Meinung spricht organisch nichts gegen die Spende zumal auch meine Venen prima sind, sodass problemlos die Zugänge gelegt werden können. Mein gesundheitlicher Check-up war damit erledigt. Blieb nur das Warten auf die Werte der großen Blutuntersuchung und das Ergebnis meiner Urinprobe. Wenn auch diese Ergebnisse ohne Befund – also in Ordnung sind – sollte ich spätestens am Mittwoch die endgültige schriftliche Freigabe zur Spende erhalten. Wenn nicht, dann würde er sich bei mir telefonisch melden.

Die Untersuchungsergebnisse

Am Tag darauf, also es ist Freitag der 10. April hatte mich mein Alltag wieder. Mein Mann und ich hatten einen freien Tag, den wir dazu nutzten, für unser Geschäft in Castrop-Rauxel Damenoberbekleidung einzukaufen. Der Vormittag verlief wie geplant. Wir kauften tolle Sachen ein und waren nahezu für die Rückfahrt bereit. Gegen 11:30 Uhr dann der Anruf der CMS, den ich gar nicht mitbekam. Der routinemäßige Blick auf mein Telefon verriet es mir. Wow, etwas musste nicht in Ordnung sein. Sofort beschlich uns ein ungutes Gefühl. Ich rief zurück, um mir Klarheit zu verschaffen. Doch jetzt war meine zuständige Mitarbeiterin kurz nicht an ihrem Platz. Wenige Minuten später rief sie mich zurück. Kurzum, die Blutergebnisse waren in Ordnung aber meine Urinprobe nicht. Sie sagte mir, dass mein Hausarzt bereits informiert ist und ich am Montag direkt zu ihm kommen kann, dann gab sie mir den ärztlichen Leiter ans Telefon. Er erklärte mir, dass sich in meinem Urin zu viele Leukozyten befanden, die darauf hindeuteten, dass ich eine Blasenentzündung hatte. Ich hatte aber keine Schmerzen. Heute weiß ich, dass sich Frauen durchaus die Blase entzünden können, ohne dass sie es merken. Empfohlen wurde mir ein freiverkäufliches Medikament, das antibakteriell wirkt und über‘s Wochenende viel zu trinken. Am Montag dann bitte noch einmal zur Kontrolle zu meinem Arzt, damit die Freigabe zur Spende erteilt werden kann. Der Rückweg nach Castrop-Rauxel war von Gedanken begleitet, die sich im Nachgang lächerlich anhören. Doch wenn man eine Freundin durch Blasenkrebs verliert, der festgestellt wurde, weil sie glaubte eine Blasenentzündung zu haben, dann ist das nicht so weit von der Hand zu weisen. Hatte ich Blasenkrebs im Frühstadium? Quatsch, das konnte nicht sein, die Ultraschalluntersuchung der Blase war ohne Befund. Meinem Mann sagte ich von diesen Gedanken nichts, denn er ist es, der seine Eltern viel zu früh verloren hatte und den ich mit solchen absurden Gedanken nicht belasten wollte. Es reichte schon aus, dass er den Anruf der CMS damit kommentierte; ich wusste dass das bei uns nicht gut ausgeht. Nicht schon wieder! Und ich? Ich falle in meinen Funktionsmodus. Schließlich hängt an meinem Leben noch ein weiteres. Meinem Patienten wurde nämlich am Tag meiner Voruntersuchung gesagt, dass es einen potenziellen Spender gibt, der gerade auf seine Spendertauglichkeit hin voruntersucht wird.

In Castrop-Rauxel angekommen, bin ich direkt in die Apotheke. Tabletten und ein Behältnis für die nächste Urinprobe waren nun meins. Zurück im Laden habe ich sofort die ersten Tabletten eingenommen, die ich mit viel viel Mineralwasser runterspülte. Es sollte doch nicht an mir liegen, dass mein Patient die Hoffnung auf ein gesundes Leben verliert. Mein Wochenende war von allerhand dunklen Gedanken, Tabletten, Mineralwasser und vielen Toilettengängen geprägt. Und so bin ich direkt Montagmorgen zu meinem Arzt. Doch es gab keine Entwarnung, der Urin war nach wie vor, nicht in Ordnung. Es wurden mir Antibiotika verschrieben, die ich jetzt einnehmen musste. Das Untersuchungsergebnis würde der CMS mitgeteilt werden. Mit flauem Gefühl im Bauch fuhr ich in den Laden. Meine erste Handlung war, bei der CMS in Köln anzurufen. Ich wollte nämlich nichts tun, was die Spende gefährden könnte. Ich brauchte für mich die Sicherheit, dass ich das Antibiotikum einnehmen darf, da ich aus Unwissenheit es nicht vermasseln wollte. Einmal mehr lief alles wie an der Schnur gezogen. Das Ergebnis der Urinuntersuchung lag bereits vor. Da der diensthabende Arzt noch in einer Untersuchung war, rief er mich wenige Augenblicke zurück. Das was dann geschah, machte mir die augenblickliche Situation meines Patienten sonnenklar. Denn an diesem Tag sollte die vorbereitende Chemotherapie bei meinem Patienten eingeleitet werden. Und wenn die eingeleitet ist, gibt es kaum noch ein zurück. Jetzt lag es an meiner Blase. Mir wurde erklärt, dass ich das Antibiotikum einnehmen soll und sich augenblicklich mit der Klinik des Patienten in Verbindung gesetzt wird, um abzuklären ob die Transplantation planmäßig stattfinden kann. Wenn ich nichts mehr hören würde, bekäme ich am Mittwoch schriftlich die Freigabe zur Spende. Falls alles verschoben werden muss oder noch kann, würde noch am gleichen Tag angerufen werden. Der Anruf blieb aus. Was blieb, war mein ungutes Gefühl. Nur jetzt nicht um meiner selbst, sondern die Angst davor, nicht spenden zu können und damit alle Hoffnungen des Patienten zu zerstören. Mein Medikament nahm ich sofort ein und trank um das Leben meines Patienten retten zu können bis zu 3 Liter täglich. Das war für mich die größte Herausforderung, denn ich bin es nicht gewohnt, so viel zu trinken. Und schwupps, gärten die nächsten Fragen in meinem Kopf; sind 3 Liter genug? Mache ich alles richtig? Ich brauchte für mich Bestätigung, weil ich die nächsten 5 Tage nicht ohne Handlung abwarten wollte und kaufte mir Harnteststreifen in der Apotheke. Ich wollte es genau wissen. Von nun an testete ich meinen Urin zwei Mal täglich selbst. Mal waren die Ergebnisse besser, mal wieder schlechter. Wie die Testergebnisse war auch meine emotionale Empfindung eine Achterbahn. Am Mittwoch dann die sehnsüchtig erhoffte Freigabe zur Spende. Nun hatte ich die Ergebnisse meiner Blutuntersuchung schriftlich auf dem Tisch liegen. Viele viele Werte, die allerdings selbst für einen Laien erkennbar sind. Nicht, um welchen Testwert es geht, aber ob er in der „richtigen“ Menge vorhanden ist, denn die Standardwerte und die ggf. vorhandenen Abweichungen sind angegeben. Die Werte die mir unklar waren, hat mir die nette Frau Google erklärt. Durch meine eigenen Urintests war mir zwischenzeitlich klar, dass es voran ging und sich allmählich der Leukozytenwert verbesserte. Am Freitagmorgen dann wieder zu meinem Hausarzt, um den Urin testen zu lassen. Yes…..das Ergebnis war ohne Befund! Alles in Ordnung, jetzt konnte es auch für mich losgehen. Klar, auch die Arzthelferinnen freuten sich mit mir und dem Patienten. Ich darf spenden!

Die Stammzellmobilisierung

Um mich und meine Stammzellen auf die Spende vorzubereiten musste ich im Vorfeld meine eigenen Stammzellen mobilisieren. Dies geschieht mit einem Arzneimittel das man selbst subkutan, also unter die Haut spritzen musste. Mir war das nicht fremd, weil ich mir nach einer Knieoperation schon einmal selbst Thrombosespritzen gesetzt hatte. Das Medikament und alle nötigen Utensilien hatte ich bereits bei der Voruntersuchung mitbekommen. Gemäß meinem Spritzenplan musste ich mir morgens und abends – im Abstand von ca. 12 Stunden -  jeweils das Medikament verabreichen. Wie das genau funktioniert, wurde uns bei der CMS Cellex mit einem Aufklärungsfilm gezeigt. Alles prima erklärt und leicht nachzumachen. Frohen Mutes startete ich am Sonntagmorgen: gefriergetrocknetes Medikament auflösen, aufziehen und verabreichen. Soweit so gut und ganz easy.

Dass es zu Nebenwirkungen kommen kann, wurde mir im Vorfeld gesagt. Meiner Natur entsprechend sollte dies jedoch für mich ein Klacks sein, da ich relativ schmerzunempfindlich bin. Ich wusste auch, dass die nicht zu verallgemeinernden Erfahrungen so sind, dass je mehr Nebenwirkungen auftreten, das Medikament umso besser wirkt. Und so kam es, wie es kommen sollte. Bereits Sonntagabend spürte ich eine merkwürdige Schwere in den Armen und Beinen. Beinahe so, als hätte ich mir Gewichte umgebunden und diese vergessen, wieder abzulegen. Am Montagmorgen dann mit Schwung aus dem Bett zu hüpfen war nicht möglich. Inzwischen verteilte sich ein gleichmäßiger Schmerz im gesamten Körper. Mir taten alle Knochen und Glieder weh. Im Rücken ein Schmerz, den ich seit Entfernung meiner Gebärmutter nicht mehr kannte. Das mitgegebene Paracetamol nahm ich in der vorgegebenen Höchstmenge gerne ein. Das half. Dienstag dann, noch mehr Schmerzen, der nicht wie erwartet in einem Schwall auftrat, sondern ganz allmählich stärker wurde. Nun ist Schmerz ja so eine eigenartige Angelegenheit, man kann sich tatsächlich daran gewöhnen. Zwar wurde mein Gang immer eigenartiger und die Haltung immer fragwürdiger, aber ich wollte ja nicht jammern. Denn verglichen mit dem was mein Patient gerade durchmachen muss, kann das nur eine „Kleinigkeit“ sein. Trotzdem konnte ich mich nur noch so bewegen, als wäre ich hochschwanger und würde kurz vor der Geburt stehen.  Dienstagmittag dann im Laden die erlösende und ablösende Dani. Sie übernahm sofort meinen Dienst und schickte mich direkt nach Hause. Zu Hause angekommen, habe ich die nächsten 1,5 Tage zumeist liegend verbracht. Aufgestanden bin ich nur, um zu essen oder auf die Toilette zu gehen. Ach ja, schon wieder trinken. Der Mittwochvormittag war damit verplant, dass ich vorbereitend auf die morgige Entnahme viel trinken musste. Einmal mehr 3 Liter Flüssigkeit in meinen Körper zwingen. Soweit war alles klar. Ich habe getrunken und meine Sachen für die Übernachtung in Köln gepackt. Unsere Nichte kam am Nachmittag, zum Cat-Sitting. Ja, auch das muss man bedenken, die Versorgung der Haustiere. Verrückt wie wir sind, lassen wir unsere Katze nicht allein. Wir wissen, dass das alles übertrieben ist, aber sie ist es einfach nicht gewohnt. Und so springt unsere Nichte gern ein, wenn wir sie brauchen und sie es ermöglichen kann. Das Tier versorgt, die Koffer gepackt, ab nach Köln. Es war wie immer, wir hatten Zeitdruck pünktlich in Köln anzukommen. Um 20:00 Uhr stand die nächste Spritze auf dem Plan. Pingelig wie ich bin, habe ich mich sehr streng an die Zeitvorgabe von 12 Stunden zwischen den Spritzen gehalten und die nächste sollte nicht auf der Autobahn verabreicht werden. Sozusagen mit zwei Reifen um die Ecke sind wir um 19:50 in Köln angekommen. Zeit genug, um einzuchecken und das Medikament pünktlich zu spritzen. Die 2 Stunden Fahrt nach Köln hatten mich selbst als Beifahrer so geschafft, dass ich den weiteren Abend nur noch im Bett lag und meiner morgigen Entnahme entgegen fieberte. Ich wollte das jetzt erledigen und mit der Entnahme der Stammzellen von einem Teil meiner Schmerzen befreit werden.

Die Entnahme

Es ist Donnertag der 23.04.2015. Die Entnahme war für 11:00 Uhr geplant. Meine Zeitplanung, um pünktlich zu erscheinen geht immer vom Termin aus gesehen, rückwärts. Eine viertel Stunde früher zum Termin erscheinen, Fußweg zur Klinik 20 Minuten, die letzte Spritze um 9 Uhr, Frühstück, trinken und zur Toilette, duschen und alltagstauglich herrichten. Das Ergebnis 7 Uhr aufstehen. Logisch, wir waren viel früher wach. Also ran an die Mineralwasserflasche, um zu trinken so viel noch rein passt.  Ab ins Bad und duschen und was sonst noch so am Morgen nötig ist. Anziehen und ab zum Frühstück. Irgendwie ist das Frühstück nicht meine Mahlzeit. Selten, dass ich Appetit habe und heute erst recht nicht. Mein Körper war zu sehr mit seinen Schmerzen beschäftigt. Aber ohne Frühstück durfte ich in der Klinik nicht erscheinen. Also zwängte ich mir etwas rein, um auch dieser Auflage gerecht zu werden. Bei herrlichem Sonnenwetter machten wir uns zu Fuß auf in die Klinik. Mit schleichendem Gang aber frohen Mutes kamen wir um 10:30 Uhr dort an. Man wusste dass ich kommen sollte und einmal mehr war alles vorbereitet. Nur noch einmal mit meinem Personalausweis ausweisen und los ging es. Meinem Mann wurde angeboten, zu warten, bis ich an der Maschine angeschlossen wurde und er sich davon überzeugen konnte, dass es mir gut ging. Für ihn hatten sie einen Stadtplan bereit liegen, damit er seine Zeit in der Kölner Innenstadt verbringen konnte und sich nicht verirrt. Wahrscheinlich wollten die sicher gehen, dass er mich auch wieder abholtJ.

Es gibt zwei verschiedene Arten Stammzellen zu spenden. In den meisten Fällen (80%) werden Stammzellen über die sogenannte "periphere Stammzellspende" der Blutbahn entnommen. In wenigen Fällen (20%) werden die Stammzellen direkt dem Knochenmark entnommen. Ich gehörte zu den 80%. Ab mit mir auf die äußerst bequeme Behandlungsliege. Und was passiert, wenn man sich morgens gedankenlos anzieht? Richtig, man trägt den Pullover, dessen Ärmel so schmal geschnitten sind, dass man sie nicht weit genug hoch geschoben bekommt. Die sich daraus ergebende Frage, ob ich was unter meinem Pullover tragen würde, beantwortete ich wahrheitsgemäß mit einem Ja. Also Pullover aus. Nun saß ich da in meinem BH, was mir nichts ausmachte. Doch die netten Mitarbeiterinnen wollten mich so nicht sitzen lassen. Sie hatten Bedenken, dass wenn ich mal für einen Toilettengang unterbrechen muss und ich so halb nackt nicht über den Gang laufen könnte. Denn nach dem Legen der Zugänge wäre ein nachträgliches Anziehen nicht mehr möglich gewesen. Netterweise gab es für mich ein OP-Hemd das farblich gut zu meiner Hose passteJ. Schnell waren die Zugänge gelegt. Jeweils einen in der linken Armbeuge und rechts seitlich vom Handgelenk. Der linke Arm war nun zum Stillhalten verdonnert. Dieser Zugang war dazu bestimmt, mein Blut aus der Vene abzuleiten. Auf der rechten Seite durfte ich mich eingeschränkt bewegen. Dieser Zugang wurde genutzt, um mir mein zentrifugiertes Blut zurück zu geben. Jetzt war der Zeitpunkt gekommen, dass mein Mann zu mir durfte. Uns beiden wurde gemeinsam erklärt, wie diese Prozedur abläuft und was im Nachgang noch zu beachten ist. Inzwischen kam die diensthabende Ärztin mit einem breiten Lächeln zu mir. Die zuerst abgenommenen Blutmengen waren, um zu prüfen, wie das Medikament bei mir gewirkt hat. Sie meinte, dass mein Wert 80 sei. Die daneben stehenden Mitarbeiter freuten sich ebenfalls. Doch irgendwie konnte ich diese Freude nicht teilen, weil ich nicht verstanden habe, warum 80 so besonders erfreulich ist. Auf mein Nachfragen hin wurde mir erklärt, dass man bei den Spendern einen Leukozytenwert von 30.000 – 50.000 erwartete, meiner jedoch 80.000 beträgt. Dieser Wert deutet darauf hin, dass ich eine hohe Wirkweise hätte, was die Zeit der Apherese deutlich verkürzen könnte. Letztlich kann dies aber erst dann genau sagen, wenn die anderen Blutproben genau analysiert sind. Auf das Ergebnis müssten wir voraussichtlich 2 Stunden warten. Durchschnittlich dauert die Entnahme zwischen 3-5 Stunden, also schienen mir die 2 Stunden Analysezeit angemessen kurz.

Die eigentliche Prozedur kann ich nur laienhaft erklären, aber ich versuche es mal. Mein Blut wurde von dem linken Zugang aus in einen Zellseperator transportiert. Dort wird mit Hilfe der Zentrifugalkraft das Blut in seine einzelnen Bestandteile getrennt. Abgesammelt werden in dieser Maschine die benötigten Stammzellen. Der nicht brauchbare Rest wird mit einem Gerinnungshemmer versetzt und an mich über den rechten Zugang zurückgegeben. Im Grunde ist das ein Kreislauf: links raus in die Maschine und rechts zurück in den Körper. Das was abgesammelt wird ist nur eine geringe Menge. Von mir geschätzt, nicht mehr als 300 – 500 ml. Demnach also weniger als bei einer üblichen Blutspende. Während der gesamten Zeit hatte ich keine Nebenwirkungen. Für mich war es eher das Empfinden der Erleichterung. Keine Schmerzen mehr gepaart mit dem guten Gefühl, jemanden helfen zu können. Die nächsten 1,5 Stunden durfte ich einen von mir ausgewählten Film ansehen. Black Swan. Ein Frauenfilm, den ich ohne männliche Zwischenkommentare genießen konnte. Mir wurden Getränke und Essen angeboten. Es wird alles getan, damit man sich wohl fühlt. Noch während des Filmes kam das Ergebnis der Blutanalyse. Wie schon erwartet, hatte ich Stammzellen im Überfluss produziert. Damit war klar, dass ich nicht mehr als 2,5 Stunden auf der Behandlungsliege verweilen musste. Diese Info habe ich per Nachricht direkt an meinen Mann gesendet, da nur noch etwas mehr als eine Stunde übrig war. Kaum, dass er zum Shoppen in die Stadt aufgebrochen war, durfte er sich auf den Rückweg machen. Immerhin hatte er es geschafft, sich sein auserwähltes Shirt im Hardrock Café zu kaufen. Mit dem Abspann des Filmes war auch die Entnahme beendet. Ich durfte das OP-Hemd wieder aus- und meinen Pullover wieder anziehen. Eine halbe Stunde musste ich noch bei Cellex bleiben, um mich mit aufgelösten Kalium und Kalzium zu stärken. Danach durften wir gehen, aber das Hotel noch nicht verlassen. Wir mussten darauf warten, bis die letzten Ergebnisse zu der damit abschließenden Analyse der gewonnen Stammzellen vorlagen. Im Hotelzimmer bekam ich dann den erlösenden Anruf, dass alles perfekt ist und mehr Stammzellen gewonnen wurden, als überhaupt gebraucht werden. Wären die Ergebnisse nicht so gut gewesen, hätte die gesamte Prozedur der Entnahme am Folgetag wiederholt werden müssen. Wir durften nach Hause.

Im Nachgang zur Spende brauchte ich keine lange Erholung. Bereits am nächsten Tag ging es mir erstaunlich gut. So gut wie keine Schmerzen mehr. Vielleicht etwas müde und geschafft, aber mehr nicht. Alles wie weg geblasen. Nach weiteren zwei Tagen, war nichts mehr zu spüren. Alles war wie vorher.

Fazit

Würde ich es wieder tun? Ein großes JA.

Ich hatte noch persönliche Rechnungen zu bezahlen und habe mit der Ratenzahlung angefangen. Meinem Gegner, dem Monster Krebs, konnte ich das erste Mal mit meiner Typisierung vor‘s  Schienbein treten. Mit der Spende, sogar einen kräftigen Schlag ins Gesicht verpassen.

Ich wollte uneigennützig etwas Gutes tun, doch ehrlich gesagt, habe ich auch meinen Nutzen. Die Ohnmacht, tatenlos zusehen zu müssen, wie man geliebte Menschen an dieses Monster verliert, habe ich überwunden. Dazu war der tiefe Blick in mein Seelenleben nötig. Sicherlich auch der Schritt, mit Erlebtem „klar Schiff“ zu machen. Wie gesagt, die erste Rate habe ich bezahlt. Zu weiteren Ratenzahlungen bin ich bereit. In den nächsten zwei Jahren stehe ich für meine Patientin zur Verfügung. Sollte sie eine weitere Spende benötigen, dann bin ich da.

 

Ist die DKMS für mich ein Glücksfall? Auch da ein großes JA.

In erster Linie natürlich für die Menschen, die ihr Leben durch Leukämie bedroht sehen. Für mich, um das zu verarbeiten, was mich seit über 20 Jahren belastet hat. 

Vielleicht empfinden Sie als Leser meine Erfahrungen ein wenig verwerflich, dass ich in dieser gesamten Situation auch an mich gedacht habe. Das kann ich verstehen. Jedoch wollte ich meine Wahrheit schreiben und damit erzählen, was mich bewegt hat, Spender zu werden. Und wenn dazu gehört, auch meinen Nutzen zu erklären, dann nur, weil nur die allerwenigsten Menschen komplett uneigennützig Gutes tun. Die Einen, so wie ich, weil sie Rechnungen zu begleichen haben. Die Anderen, weil sie letzten Endes ihre eigene Seele streicheln möchten.

Ich für meinen Teil fühle mich nicht als Heldin. Und obwohl ich manchmal von Bekannten oder Freunden so betitelt werde, sehe ich das nicht so. Die Heldin meiner Geschichte ist meine Patientin, die ihren Kampf aufgenommen hat und sich dem Monster Krebs stellt. Ich habe ihr für diesen Kampf nur das Schwert geschmiedet. Wie scharf dieses Schwert ist, wird die Zeit zeigen.

Danke

Zum Schluss möchte ich meinen Dank aussprechen. An all die Blutspender, die dies tun, um Leben zu retten. An die DKMS, die zu Recht sagen: Wir besiegen Blutkrebs. An die CMS Cellex, die zu jedem Zeitpunkt perfekte Arbeit leistet und keine Fragen unbeantwortet lässt. An alle meine Freunde, die es mir ermöglicht haben, Spender zu sein. An alle diejenigen, die mich daran erinnert haben, gesünder zu leben, weil an meinem Leben ein zweites hängt. An Dani, die ohne Zögern für mich im Laden eingesprungen ist, als es mir nicht gut ging. An meine Schwester, die mir mit Rat und Tat zur Seite stand. Und an meinen Mann, der seit vielen Jahren an meiner Seite steht und mich bei allem unterstützt, was auch immer ich tue.

Zum Schluss auch der Dank an Sie, dass sie durchgehalten haben, bis hierher zu lesen.

 

Berechtigter Weise fragen Sie sich jetzt, wie es weiter geht. Lerne ich meine Patientin kennen? Die Möglichkeit besteht schon. Da mein genetischer Zwilling eine 47-jährige Frau ist, die in Deutschland lebt, gelten auch die deutschen Vorschriften. Anonymisiert kann ich mit ihr über die DKMS Kontakt aufnehmen, was ich bereits getan habe. Ich habe ihr einen Brief geschrieben, der nun über die DKMS an sie weitergeleitet wird. Klar ist, dass ich weder meinen Namen, noch meinen Wohnort preisgeben darf. Insofern wird der Brief kontrolliert ggf. korrigiert und dann an sie gesendet. Gleiches gilt für meine Patientin auch. Auch sie darf mir schreiben, wenn sie es mag und/oder kann. Nach zwei Jahren können die Kontaktdaten offengelegt werden, wenn beide Seiten damit einverstanden sind.

In der Zwischenzeit heißt es warten. Erstmals nach 100 Tagen wir die DKMS sich nach dem Befinden  meiner Patientin erkundigen. Danach dann regelmäßig jedes halbe Jahr. Die jeweiligen Infos werden an mich weitergeleitet, damit auch ich über ihren Gesundheitszustand Bescheid weiß.

 

Wer nun ins Grübeln gekommen ist, ob er auch Spender werden möchte, kann sich jederzeit selbst informieren. Die Internetseiten der DKMS (www.dkms.de ) und auch der CMS Cellex (www.cellex.me) sind sehr aufschlussreich. Eine tolle Informationsquelle ist auch das Buch „Alle gegen einen“ (ISBN 978-3-86774-288-7). In dem Buch wird die Geschichte der DKMS erzählt. Warum sie gegründet wurde und wie sie sich entwickeln konnte.

 

Wer aber nicht Stammzellen spenden möchte, kann vielleicht eine finanzielle Spende an die DKMS machen. Oder aber ganz einfach für kranke Menschen da sein. Leider hat beinahe jeder einen schwer erkrankten Menschen in seinem Umfeld. Versuchen sie nicht wegzusehen und erhalten sie das was sie verbindet. Jeder Mensch, insbesondere kranke Menschen, brauchen jemanden, dem sie sich anvertrauen können. Oft ist es einfacher mit einem Freund oder Freundin zu sprechen, als mit nahen Angehörigen. Denken sie immer daran, dass es jeden von uns treffen kann und wie sehr wir uns dann darüber freuen, in ein lächelndes Gesicht zu sehen.

 

Passen Sie auf sich auf und bleiben Sie gesund!

Oktober 2015

Der erste Brief meiner Patientin ist eingegangen. Ein Brief, der uns zu Tränen gerührt und im Herzen tief berührt hat. Das Wichtigste zuerst: Es geht ihr besser! Noch ist nichts gut, denn dafür ist es viel zu früh. Augenblicklich ist es so, dass meine Stammzellen zu 100% vom Körper meiner Patientin angenommen wurden. Ein gutes Zeichen. Bis sie das Wort Gesundheit leben kann, dauert es noch eine lange Zeit. Doch das sie kurze Spaziergänge von 15-20 Minuten machen kann, gibt Mut für die nächsten Monaten, in denen sie immer wieder aufregende Kontrolluntersuchungen über sich ergehen lassen muss. Leider jedes Mal mit der Angst vor einer schlechten Nachricht. Diese Angst kann ihr niemand nehmen. Und doch hoffe ich, dass es ihr ein wenig Vertrauen gibt, dass ich im Fall der Fälle bereit stehe und erneut spenden werde.

Bitte registrieren Sie sich und erleben Sie auch dieses wahnsinnige Gefühl: Ich habe das Leben einer 47-jährigen Frau gerettet, die verheiratet ist und eine 21-jährige Tochter hat. Deren Eltern sofort zu ihr gezogen sind, damit die Familie mit samt der beiden Hunde weiter funktionieren konnte. Alle gemeinsam gehen seit November 2014 - dem Zeitpunkt der Diagnose - durch ein tiefes Tal der Tränen und Ängste immer den Tod vor Augen. Jetzt nach einem Jahr konnte ich mit meiner Registrierung dieser Familie ein kleines Licht am Ende des Tunnels zeigen. Bitte lassen Sie uns gemeinsam Leben retten.

 

Bis dahin passen Sie auf sich auf und bleiben Sie gesund!